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Fachwissen · Wegzug

Entstrickung beim Umzug nach Malta

Bei Selbständigen und Unternehmern können nicht nur Gesellschaftsanteile relevant sein. Auch Funktionen, Wirtschaftsgüter und andere Werte können beim Wegzug steuerlich erfasst werden.

Dazu im Video

Du kommst aus Österreich oder der Schweiz? Hier die Regeln für Dich: die betriebliche Seite des österreichischen Wegzugs und Firma und Betrieb aus der Schweiz verlegen.

Das Prinzip der Entstrickungsbesteuerung

Deutschland besteuert stille Reserven spätestens dann, wenn es sein Besteuerungsrecht daran verliert. Verlagerst Du ein Wirtschaftsgut, Deinen Betrieb oder auch nur dessen wertvolle Funktionen nach Malta, behandelt § 4 Abs. 1 Satz 3 EStG das wie eine Entnahme zum gemeinen Wert; für Kapitalgesellschaften gilt mit § 12 KStG dasselbe. Endet mit Deinem Umzug das deutsche Besteuerungsrecht am ganzen Betrieb, fingiert § 16 Abs. 3a EStG gleich eine komplette Betriebsaufgabe. Besteuert wird jeweils die Differenz zwischen Buchwert und Verkehrswert, und zwar auch bei Positionen, die in keiner Bilanz stehen: selbstgeschaffener Firmenwert, Kundenstamm, Marke, Know-how.

Für Einzelunternehmer und Freiberufler ist das der zentrale Kostenpunkt des Malta-Plans: Wer seine Beratungspraxis oder Agentur „einfach mitnimmt“, verkauft sie steuerlich an sich selbst, zum vollen Wert, im Jahr des Umzugs. Die deutsche Gesamtdarstellung mit allen Fallgruppen steht in Entstrickung (Exit Tax) erklärt; hier geht es um das, was beim Umzug nach Malta konkret passiert.

Wegzugsteuer und Entstrickungsteuer: zwei Steuern, zwei Ebenen

Beide Steuern reagieren auf denselben Umzug, treffen aber Verschiedenes und können nebeneinander anfallen:

WegzugsteuerEntstrickung
Rechtsgrundlage§ 6 AStG§ 4 Abs. 1 Satz 3 EStG, § 12 KStG, § 16 Abs. 3a EStG
Wen sie trifftGesellschafter von Kapitalgesellschaften ab 1 % Beteiligung (Privatvermögen)Einzelunternehmer, Freiberufler, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften (Betriebsvermögen)
AuslöserUmzug der Person (oder Schenkung an nicht unbeschränkt Steuerpflichtige)Verlust oder Beschränkung des deutschen Besteuerungsrechts an Wirtschaftsgütern, auch ganz ohne Umzug
BemessungFiktiver Verkauf der Anteile zum gemeinen WertFiktive Entnahme bzw. Veräußerung jedes Wirtschaftsguts zum gemeinen Wert

Was alles ein Wirtschaftsgut ist

Erfasst wird Materielles wie Maschinen und Warenlager, vor allem aber das Immaterielle, das den Wert der meisten Dienstleistungs- und Digitalgeschäfte ausmacht: Kundenstamm, laufende Verträge, Software, Domains, Marken, selbst Kryptowährungen im Betriebsvermögen. Bei Ein-Personen-Unternehmen gelten auch langjährige Auftraggeberbeziehungen als Wirtschaftsgut.

Entscheidend ist die Zuordnung: Immaterielle Wirtschaftsgüter hängen regelmäßig an der Geschäftsleitung. Ziehst Du als Geschäftsführer nach Malta, wandert der Ort der Geschäftsleitung mit, und mit ihm die Zuordnung der Wirtschaftsgüter, selbst wenn die GmbH formal in Deutschland bleibt. Was der Umzug des Geschäftsführers für die Gesellschaft im Einzelnen auslöst, zeigt der Beitrag Geschäftsführer zieht ins Ausland.

Die Funktionsverlagerung: die große Schwester

Noch weiter greift § 1 Abs. 3b AStG: Wird eine Funktion samt Chancen und Risiken verlagert, etwa der Vertrieb, die Produktentwicklung oder das gesamte operative Geschäft von der deutschen GmbH auf Deine neue Malta Ltd, ist das Transferpaket als Ganzes zu bewerten, inklusive Gewinnpotenzial. Das trifft genau die beliebte Bastellösung „die GmbH bleibt, aber das Neugeschäft läuft ab sofort über Malta“: Ohne saubere Abgrenzung ist das eine Funktionsverlagerung mit Vollbewertung, plus Diskussion über verdeckte Gewinnausschüttungen.

Zahlen in Raten statt auf einen Schlag

Weil Malta zur EU gehört, musst Du die Entstrickungsteuer nicht zwingend im Umzugsjahr stemmen. Für einzelne Wirtschaftsgüter, die in eine EU- oder EWR-Betriebsstätte überführt werden, erlaubt § 4g EStG auf Antrag einen Ausgleichsposten, der die Steuer auf fünf Jahre streckt. Für die fiktive Betriebsaufgabe nach § 16 Abs. 3a EStG lässt § 36 Abs. 5 EStG auf Antrag die Zahlung in fünf gleichen Jahresraten zu. Beide Erleichterungen enden vorzeitig, wenn das Wirtschaftsgut verkauft wird oder die EU verlässt. Die Steuer verschwindet dadurch nicht, aber sie verliert ihren Schrecken als Liquiditätsschock.

Was sich steuern lässt

  • Neugeschäft sauber trennen. Eine Malta-Struktur, die erkennbar neues Geschäft mit eigenen Kunden, Verträgen und Leistungen aufbaut, verlagert keine bestehende Funktion. Die Grenze ist fein und will dokumentiert sein.
  • Deutsche Betriebsstätte real weiterführen. Bleibt der Betrieb mit Substanz in Deutschland, etwa durch Verpachtung oder eine Geschäftsführung vor Ort, verliert Deutschland sein Besteuerungsrecht nicht, und es gibt nichts zu entstricken. Für Malta-Umzüge ist das wegen des Pendelaufwands eine Rechenfrage, keine Bequemlichkeitslösung.
  • Verträge personengebunden gestalten. Für Freiberufler mit kurzfristigen Aufträgen entsteht oft gar kein übertragbares Wirtschaftsgut: Verträge, die an Deiner persönlichen Leistung hängen und keine Ersatzstellung erlauben, lassen sich nicht „überführen“. Wer langfristige Rahmenverträge hat, kann sie vor dem Umzug auslaufen lassen und in Malta neu abschließen.
  • Escape-Klauseln nutzen. Gehen keine wesentlichen immateriellen Werte über, kann statt des Transferpakets die Einzelbewertung greifen. Auch Lizenz- statt Übertragungslösungen können den Sofortschlag in laufende, abziehbare Zahlungen verwandeln.
  • Timing und Bewertung. Wie bei der Wegzugsteuer gilt: Der Wert am Stichtag entscheidet. Ein junges, noch wenig werthaltiges Geschäft zieht günstiger um als dasselbe Geschäft drei Jahre und zwei Rekordjahre später.
  • Reihenfolge planen. Manchmal ist der bessere Weg, das deutsche Geschäft geordnet auslaufen zu lassen oder zu verkaufen und in Malta wirklich neu zu bauen, statt Werte über die Grenze zu schieben.

Die Malta-Seite

In Malta beginnt die neue Gesellschaft mit den Verkehrswerten, und künftige Gewinne laufen ins 5 %-System. Die Entstrickung ist also der Preis des Übergangs, nicht des Betriebs. Ob und wann sich dieser Preis amortisiert, ist reine Rechenarbeit, und genau die gehört vor die Entscheidung, nicht hinter den Abmeldetermin.

Entstrickung trifft das Betriebsvermögen, die Wegzugsteuer die Anteile. Wer beides hat, zahlt beides. Die vollständige Reihenfolge der deutschen Pflichten steht im Fachwissen zur deutschen Seite.

Zieh nicht mit dem halben Betrieb in eine ganze Steuerfalle.

Im Beratungsgespräch klären wir, was bei Dir entstrickt würde, was es kostet und welcher Weg den Übergang am billigsten macht.