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Aktuelles

Budget 2027 am 26. Oktober: was Malta-Zuzügler und Firmeninhaber erwarten können

Enge Gasse mit geschlossenen Holzbalkonen aus Kalkstein im warmen Abendlicht

Am kommenden Montag, dem 26. Oktober 2026, legt Maltas Regierung im Parlament in Valletta den Haushalt für 2027 vor. Den Termin hat Premierminister Robert Abela schon am 20. September genannt, wie der Staatssender TVM berichtete. Was am Montagabend genau verkündet wird, weiß bis dahin niemand außerhalb des Finanzministeriums. Ziemlich genau wissen kann man aber schon heute, auf welchem Fundament die Rede steht, welche Entlastungen bereits im Fahrplan stehen und an welchen Stellen für Zuzügler und Firmeninhaber wirklich etwas offen ist.

Die wichtigste Quelle dafür ist das Pre-Budget Consultation Document 2027, das das Finanzministerium im September veröffentlicht hat. Es ist kein Haushaltsentwurf, sondern eine Lagebeschreibung mit Zahlen. Gerade deshalb ist es nützlich: Es zeigt, womit die Regierung rechnet und welche ihrer eigenen Zusagen sie für die kommenden Jahre schon fest einplant.

Die Ausgangslage: ein Haushalt aus einer Position der Stärke

Malta geht mit Rückenwind in diesen Haushalt. Nach dem Dokument des Finanzministeriums sank das Staatsdefizit von 3,4 Prozent der Wirtschaftsleistung 2024 auf 2,2 Prozent im Jahr 2025. Die Staatsschulden lagen Ende 2025 bei 46,4 Prozent, weit unter der EU-Grenze von 60 Prozent. Damit lag das Defizit zwei Jahre früher unter der Marke von 3 Prozent, als der Rat der EU verlangt hatte. Am 12. Juni 2026 hat der Rat das Defizitverfahren gegen Malta geschlossen.

Die Europäische Kommission erwartet nach ihrer Frühjahrsprognose, die das Dokument zitiert, ein Defizit von 2,2 Prozent für 2026 und 2,1 Prozent für 2027 sowie ein Wachstum von 3,7 und 3,6 Prozent. Den größten Anteil an der Verbesserung hatten die Einnahmen: Die Steuern auf Einkommen und Vermögen brachten 2025 nach den Zahlen des Ministeriums 279,1 Millionen Euro mehr als im Vorjahr, ein Plus von 8,2 Prozent.

Für Dich heißt das vor allem eines: Der Druck, an der Steuerschraube zu drehen, ist gering. Ein Land, das sein Defizitverfahren gerade vorzeitig verlassen hat und Einnahmen über dem Plan meldet, braucht keine neuen Steuern auf Einkommen, um den Haushalt zu schließen. Das garantiert nichts für Montag, aber es verschiebt die Wahrscheinlichkeiten. Wie die Regierung im vergangenen Jahr mit einer ähnlichen Lage umgegangen ist, zeigt das Budget 2026.

Die Elternentlastung: Stufe zwei steht im Fahrplan, aber noch nicht im Gesetz

Die größte bekannte Größe für 2027 ist eine Entlastung, die schon vor einem Jahr angekündigt wurde. Mit dem Budget 2026 hat Malta eine dreistufige Einkommensteuerreform für Eltern begonnen. Sie gilt für Ehepaare mit Kindern, die gemeinsam veranlagt werden, und für Eltern mit eigenem Tarif. Wer ohne Kinder nach dem Single-Tarif oder dem normalen Ehegattentarif zahlt, ist nicht betroffen.

Die erste Stufe gilt bereits. Die Steuertabellen der Steuerbehörde MTCA für 2026 zeigen sie, und das Budgetgesetz zum Haushalt 2026, Act III of 2026, hat sie in Artikel 56 des Income Tax Act geschrieben. Die nächsten beiden Stufen stehen in Tabelle 5.2 des Pre-Budget-Dokuments, mit der MTCA als Quelle:

Tarifsteuerfrei 2025steuerfrei 2026geplant 2027geplant 2028
Verheiratet, 1 Kind15.000 €17.500 €20.000 €22.500 €
Verheiratet, 2 oder mehr Kinder15.000 €22.500 €30.000 €37.000 €
Elternteil, 1 Kind13.000 €14.500 €16.000 €18.000 €
Elternteil, 2 oder mehr Kinder13.000 €18.500 €24.000 €30.000 €

Auch die Stufe mit 15 Prozent wird breiter. Ein Ehepaar mit zwei Kindern zahlt 2027 nach dem Plan bis 41.000 Euro nur 15 Prozent, 2028 bis 50.000 Euro. Die Sätze von 25 und 35 Prozent und die Grenze von 60.000 Euro bleiben unverändert. Das Ministerium rechnet damit, dass ein Paar nach der vollen Umsetzung bis zu 10.000 Euro Steuern im Jahr spart, im Schnitt 3.500 Euro je Elternteil.

Der entscheidende Punkt für Deine Planung: Im Gesetz steht heute nur die erste Stufe. Für die Werte von 2027 und 2028 braucht es ein weiteres Gesetz, und das kommt in Malta üblicherweise nach der Budgetrede. Bleibt die Regierung bei ihrem eigenen Fahrplan, wird die Rede am Montag die zweite Stufe bestätigen. Ob sie dabei Werte ändert, zeigt erst die Rede.

Ein Detail, das Familien aus der Schweiz kennen sollten: Nach dem Wortlaut von Artikel 56 Absatz 1 gelten die Kindertarife, wenn mindestens ein Elternteil Staatsangehöriger eines EU- oder EWR-Staats ist oder den Status eines langfristig Aufenthaltsberechtigten hat. Für andere Paare verlangt das Gesetz, dass das Kind in Malta geboren wurde und dort lebt. Deutsche und Österreicher erfüllen die erste Bedingung von selbst. Schweizer Paare ohne EU-Pass sollten vor dem Umzug klären lassen, welcher Tarif für sie gilt.

Energiepreise: die Zusage, die jeder im Alltag spürt

Kein Thema hat in Malta mehr politisches Gewicht als die festen Preise für Strom und Treibstoff. Abela hat bei der Ankündigung des Termins nach dem Bericht von TVM zugesagt, dass die Energiesubventionen auf dem heutigen Niveau bleiben, und mehr Geld für das Stromverteilnetz angekündigt.

Das Pre-Budget-Dokument beziffert, was diese Politik kostet. Die Maßnahmen gegen Energiepreise und Inflation summieren sich seit 2020 auf rund 1,9 Milliarden Euro, für 2026 schätzt das Ministerium 388,2 Millionen Euro. Die Wirkung steht im selben Dokument: Während die höheren Öl- und Gaspreise die Teuerung in der EU in den ersten sieben Monaten 2026 nach oben trieben, meldete Malta für die Energiekomponente eine Teuerung von null. Die Inflation insgesamt lag im Juli 2026 bei 2,1 Prozent.

Für Zuzügler ist das kein Steuerthema, aber ein Kostenthema. Deine Stromrechnung auf der Insel hängt an dieser Zusage. Wer eine Wohnung mit Klimaanlage für den Sommer und Heizgeräten für den Winter mietet, rechnet mit Tarifen, die sich seit Jahren nicht bewegt haben. Dass die Regierung die Subventionen ausdrücklich verlängern will, ist für Deine Lebenshaltungskosten im kommenden Jahr die verlässlichste Ansage vor dem Budget.

Firmeninhaber: was die Kammer fordert und was die Regierung signalisiert

Am lautesten ist die Steuerdebatte vor diesem Budget bei den Unternehmen. Die Malta Chamber of Commerce hat am 14. September ihr Papier RESET and LEAD vorgelegt. Darin steht die Forderung, die Körperschaftsteuer von 35 auf 25 Prozent zu senken, für regelkonforme Betriebe sogar auf 20 Prozent. Begründet wird das unter anderem mit der Erstattung von sechs Siebteln, die nach Meinung der Kammer ausländisch kontrollierte Firmen bevorzugt. Was das je nach Ausgestaltung für Deine Struktur hieße, haben wir zur Forderung der Malta-Kammer durchgerechnet.

Wichtig ist die Einordnung. Das ist ein Vorschlag eines Wirtschaftsverbands. Das Pre-Budget-Dokument der Regierung enthält keinen Vorschlag zum Körperschaftsteuersatz und kein Wort zur Erstattung. Es spricht im Gegenteil von der soliden Ertragslage der Unternehmen als Stütze der Einnahmen. Heute gilt:

  • Gesellschaften zahlen nach Artikel 56 Absatz 6 des Income Tax Act 35 Prozent.
  • Gesellschafter können nach Artikel 48 Absatz 4A des Income Tax Management Act sechs Siebtel der Steuer zurückfordern, bei passiven Zinsen und Lizenzen fünf Siebtel. Unterm Strich bleiben bei aktiven Gewinnen rund 5 Prozent.
  • Die Erstattung ist nach Artikel 48 Absatz 8 innerhalb von 14 Tagen nach Fälligkeit zu zahlen. Braucht die Behörde weitere Prüfungen, kann sich die Frist um zwölf Monate verlängern.
  • Seit 2025 kann eine Gesellschaft nach der Legal Notice 188 von 2025 stattdessen eine endgültige Steuer von 15 Prozent ohne Erstattung wählen.

Wie das 6/7-System im Einzelnen funktioniert, erklären wir unter 5 Prozent Steuern in Malta. Für Montag heißt das: Eine Änderung des Körperschaftsteuersystems wäre eine echte Überraschung. Wer eine maltesische Gesellschaft hat oder plant, sollte trotzdem auf die kleineren Posten achten, also auf Abzüge und Fördermittel. Die Kammer fordert unter anderem, den Abzug für Forschung von 175 auf 200 Prozent zu erhöhen. Den Abzug von 175 Prozent hat Act III of 2026 bereits in den Income Tax Act geschrieben, anwendbar wird er aber erst ab einem Datum, das der Finanzminister im Amtsblatt bekannt gibt.

Zuzügler mit Non-Dom-Status: die Regeln stehen schon

Für die meisten Zuzügler ist der wichtigste Satz des maltesischen Steuerrechts nicht der Körperschaftsteuersatz, sondern Artikel 4 Absatz 1 des Income Tax Act. Wer in Malta lebt, aber nicht in Malta domiziliert ist, zahlt auf ausländische Einkünfte nur Steuern, wenn er sie nach Malta überweist. Ausländische Kapitalgewinne sind sogar dann steuerfrei, wenn sie überwiesen werden. Wie Du Überweisungen nach Malta sauber planst, steht unter Remittance-Planung.

Dazu gehört die Mindeststeuer nach Artikel 56 Absatz 27: Wer als Non-Dom mindestens 35.000 Euro Auslandseinkünfte hat und sie nicht vollständig nach Malta holt, zahlt mindestens 5.000 Euro im Jahr. Keine der Unterlagen vor dem Budget deutet auf eine Änderung dieser Regeln hin.

Was sich für die Pauschalprogramme ändert, steht dagegen schon fest, und zwar unabhängig vom Budget. Die Individual Tax Programme Rules gelten ab dem 1. Januar 2027 und setzen die Mindeststeuer für den neuen Status auf 35.000 Euro. Wer bis zum 31. Dezember 2026 beantragt, bleibt nach der Übergangsregel bis Ende 2031 bei den alten Konditionen. Die Einzelheiten haben wir zur Frist im Residence Programme beschrieben. An dieser Frist ändert ein Budget nichts, sie läuft so oder so.

Rentner: die Befreiung von 37.104 Euro gilt seit Januar

Auch für Ruheständler ist die große Änderung schon passiert. Seit dem 1. Januar 2026 sind nach der Legal Notice 53 von 2026 Renten bis 37.104 Euro von der Einkommensteuer befreit. Vorher war nach dem Pre-Budget-Dokument ein Anteil von 80 Prozent bis 13.309 Euro befreit. Ab dem Veranlagungsjahr 2027 kommt nach derselben Verordnung ein Steuerrabatt von höchstens 540 Euro hinzu, für Rentner mit Befreiung, die nach dem normalen Ehegattentarif veranlagt werden.

Wie die Befreiung im Einzelnen wirkt und für welche Renten sie gilt, haben wir zur Rentenbefreiung erklärt. Für Montag ist bei Renten vor allem der Inflationsausgleich zu erwarten, in Malta COLA genannt. Er wurde im vergangenen Jahr mit 4,66 Euro pro Woche gezahlt und wird jedes Jahr im Budget neu beziffert.

Was am Montag tatsächlich offen ist

Zieht man ab, was schon feststeht, bleiben für Zuzügler und Unternehmer vier echte Fragen für den Budgetabend:

  1. Bestätigt die Regierung die zweite Stufe der Elternentlastung mit den Werten aus ihrem eigenen Dokument, oder ändert sie die Grenzen?
  2. Wie hoch fällt der Inflationsausgleich für 2027 aus? Er wirkt auf Löhne und Renten.
  3. Gibt es neue Maßnahmen beim Wohnen, etwa bei der Stempelsteuer für Käufer, die für Zuzügler mit Kaufplänen zählen würde?
  4. Kommt eine Antwort auf die Kammer, also irgendeine Bewegung bei Körperschaftsteuer, Erstattung oder Fördermitteln?

Eine Budgetrede ist dabei immer erst eine Ankündigung. Die Steuermaßnahmen werden in Malta erst mit dem Budgetgesetz verbindlich, das das Parlament in den Monaten danach verabschiedet. Act III of 2026 ist das Beispiel aus diesem Jahr: Es hat die Maßnahmen des Budgets 2026 in den Income Tax Act geschrieben, mit eigenen Anwendungsdaten je Vorschrift. Plane nie auf Basis einer Rede, sondern auf Basis des Gesetzestexts.

Was das Budget an Deiner Lage in Deutschland, Österreich oder der Schweiz nicht ändert

Ein maltesischer Haushalt regelt nur, was Malta besteuert. Was Dein Heimatland nach dem Wegzug noch verlangt, bleibt davon unberührt.

Für Deutsche ist das vor allem die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 des Außensteuergesetzes. Wer in den zehn Jahren vor dem Wegzug mindestens fünf Jahre unbeschränkt steuerpflichtig war, in ein Land mit niedriger Besteuerung zieht und wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland behält, bleibt bis zu zehn Jahre nach dem Wegzugsjahr mit deutschen Einkünften erweitert steuerpflichtig. Die Vorschrift greift nur, wenn diese Einkünfte im Jahr 16.500 Euro übersteigen. Eine Steuersenkung auf Malta macht diese Regel eher wichtiger als unwichtiger.

Österreich und die Schweiz knüpfen eigene Folgen an den Wegzug, und auch daran ändert ein Budget in Valletta nichts. Prüfe deshalb Deinen Wegzug immer von beiden Seiten aus: Was verlangt das alte Land beim Gehen, und was verlangt Malta beim Ankommen?

Wie Du die Rede am Montag liest

Wenn Du die Rede verfolgst oder am Dienstag die Zusammenfassungen liest, helfen drei Fragen. Betrifft die Maßnahme Einwohner allgemein oder nur bestimmte Tarife? Viele Entlastungen gelten nur für den Eltern- oder Ehegattentarif. Gilt sie für das Einkommen 2027 oder für das Veranlagungsjahr 2027? In Malta besteuert das Veranlagungsjahr das Einkommen des Vorjahres, und die Gesetzestexte nennen meist das Veranlagungsjahr. Und ist sie schon Gesetz oder erst angekündigt?

Wer mit diesen drei Fragen liest, erkennt schnell, was sich für ihn tatsächlich ändert und was nur gut klingt. Und wer schon jetzt eine Entscheidung vor sich hat, etwa einen Antrag auf ein Programm vor dem 31. Dezember oder den Zeitpunkt eines Umzugs mit Kindern, sollte sie nicht von der Rede abhängig machen, sondern von dem, was heute im Gesetz steht.

Malta ist eine Entscheidung, keine Meldung.

Was eine Nachricht für Deine Struktur bedeutet, klären wir im Beratungsgespräch. Konkret, an Deinen Zahlen.