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Maltas Budget 2027: 25 Prozent für kleine Firmen, neue Hürden für Nicht-EU-Bürger

Blick von der Bastion in Valletta über den Grand Harbour an einem hellen Tag, vorn eine alte Kanone auf der Terrasse

Am Montag, dem 26. Oktober 2026, hat Finanzminister Clyde Caruana im Parlament in Valletta den Haushalt für 2027 vorgestellt. Das Finanzministerium hat die Rede mit dem Haushaltsplan auf seiner Budgetseite veröffentlicht, die Rede selbst bisher nur auf Maltesisch als Diskors tal-Budget 2027. Alle Zahlen zu den Maßnahmen stammen aus diesem Dokument.

In unserer Vorschau auf das Budget 2027 standen vier offene Fragen: die zweite Stufe der Elternentlastung, der Inflationsausgleich, das Wohnen und eine mögliche Antwort auf die Forderungen der Wirtschaftskammer zur Körperschaftsteuer. Auf drei davon gibt die Rede eine klare Antwort. Dazu kommen Maßnahmen, die vorher niemand auf der Liste hatte: Die Regierung zieht bei mehreren staatlichen Leistungen eine Grenze zwischen EU-Bürgern und allen anderen.

Erst die Einordnung: angekündigt ist noch nicht Gesetz

Eine maltesische Budgetrede ist eine Ankündigung. Verbindlich werden die Steuermaßnahmen erst mit dem Umsetzungsgesetz, das das Parlament in den Monaten danach verabschiedet, und viele Gebühren mit eigenen Verordnungen. Wie lange das dauert, zeigt das vergangene Jahr: Die Maßnahmen des Budgets 2026 hat der Budget Measures Implementation Act, 2026 erst mit dem Amtsblatt vom 10. März 2026 in die Gesetze geschrieben.

Für 2027 gibt es ein solches Gesetz noch nicht. Bis zum Amtsblatt vom 30. Oktober 2026 hat Malta nach dem Verzeichnis neuer Gesetze und Verordnungen keine Vorschrift veröffentlicht, die eine Maßnahme aus der Rede umsetzt. Jede Maßnahme aus der Rede ist deshalb angekündigt, aber noch nicht Gesetz. Die Einzelheiten, also Bedingungen, Ausnahmen und Stichtage, regeln erst die Texte, die noch kommen. Wo die Rede nur einen Rahmen nennt, fehlen genau diese Einzelheiten noch.

Was sich nicht ändert: Steuersätze, Mehrwertsteuer, Non-Dom

Die wichtigste Nachricht für Zuzügler steht im ersten Kapitel und ist eine Absage. Caruana hat drei Dinge ausdrücklich ausgeschlossen: Die Sätze der Einkommensteuer steigen nicht, die Mehrwertsteuer steigt nicht, und die Sozialversicherungsbeiträge steigen nicht. Die Energiepreise bleiben ebenfalls stabil. Für die Subventionen auf Strom, Gas und Treibstoff rechnet die Regierung nach der Rede in diesem Jahr mit rund 392 Millionen Euro und will im kommenden Jahr wieder etwa 400 Millionen Euro ausgeben.

Zum Status der meisten unserer Leser steht in der Rede kein Wort. Es gibt keine Maßnahme zur Besteuerung nach der Überweisung, keine zur Mindeststeuer von 5.000 Euro für Non-Doms und keine zu den Pauschalprogrammen. Damit bleibt es bei dem, was heute im Income Tax Act steht: Wer in Malta lebt, aber nicht dort domiziliert ist, zahlt auf ausländische Einkünfte nur, wenn er sie nach Malta holt, ausländische Kapitalgewinne bleiben auch dann frei. Wer diese Trennung sauber aufsetzen will, findet das Vorgehen unter Remittance-Planung.

Unabhängig vom Budget bleibt auch die Umstellung der Programme. Die Individual Tax Programme Rules gelten ab dem 1. Januar 2027 und sind bereits Gesetz. Die Frist für Anträge nach den alten Regeln bis zum 31. Dezember 2026 läuft weiter.

Firmeninhaber: 25 Prozent, aber nur auf Gewinne, die in der Firma bleiben

Die Kammer hatte vor dem Budget gefordert, die Körperschaftsteuer allgemein von 35 auf 25 Prozent zu senken. Die Regierung antwortet mit einer deutlich schmaleren Maßnahme. Nach der Rede soll ein neuer Rahmen kommen, unter dem Gesellschaften mit einem Umsatz bis zu einer Million Euro 25 Prozent statt 35 Prozent zahlen. Begründet wird das mit kleineren Betrieben, die mehr Geld für Investitionen behalten sollen, und mit jungen Gründern.

Der entscheidende Satz folgt direkt danach. Die Senkung gilt nach Caruanas Worten nur für einbehaltene oder reinvestierte Gewinne. Werden die Gewinne als Dividende ausgeschüttet, bleibt es bei 35 Prozent. Die genauen Bedingungen und Grenzen sollen in eigenen Regeln stehen, die so gestaltet werden, dass sie zum bestehenden System der Körperschaftsteuer passen.

Was heißt das für die Struktur, mit der die meisten Zuzügler arbeiten? Das bekannte Modell lebt von der Ausschüttung. Die Gesellschaft zahlt 35 Prozent, schüttet aus, und der Gesellschafter fordert nach Artikel 48 Absatz 4A des Income Tax Management Act sechs Siebtel zurück, sodass bei aktiven Gewinnen rund 5 Prozent bleiben. Wie das im Einzelnen läuft, steht unter 5 Prozent Steuern in Malta. Da die neue Senkung bei Ausschüttung gerade nicht greift, ändert sie an dieser Rechnung nach dem Wortlaut der Rede nichts.

Interessant ist die Maßnahme für einen anderen Typ Unternehmer: den, der auf Malta ein lokales Geschäft betreibt, wenig ausschüttet und Gewinne für Wachstum im Betrieb lässt. Für ihn sinkt die Steuerlast auf das einbehaltene Geld spürbar, und damit steigt die Liquidität. Offen ist, wie die Regeln mit einer späteren Ausschüttung umgehen, ob dann nachversteuert wird und wie die Erstattung auf diese Gewinne berechnet wird. Daneben bleibt die Wahl nach der Legal Notice 188 von 2025: eine endgültige Steuer von 15 Prozent ohne Erstattung, die wir unter FITWI erklären. Welcher der drei Wege für Dich passt, hängt künftig noch stärker davon ab, ob Deine Gewinne in der Firma bleiben oder bei Dir ankommen sollen.

Mehr Pflichten bei der Mehrwertsteuer

Für Firmeninhaber kündigt die Rede außerdem zwei Verschärfungen an. Im Bau soll die Steuerschuld bei bestimmten Umsätzen auf den kaufenden Unternehmer übergehen, damit Lieferanten die Steuer nicht mehr einziehen und behalten können. Und wer keine korrekten Rechnungen oder Kassenbelege ausstellt, soll künftig zuerst eine Verwaltungsstrafe zahlen, statt sofort im Strafverfahren zu landen: 100 Euro beim ersten Verstoß, 200 Euro beim zweiten, 400 Euro beim dritten und 500 Euro für jeden weiteren innerhalb von 24 Monaten. Wer innerhalb von 30 Tagen zahlt, ist die strafrechtliche Verantwortung für diesen Verstoß los. Jeder Verstoß fließt aber in die Risikobewertung der Steuerbehörde ein und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Prüfung.

Wer Mitarbeiter aus Ländern außerhalb der EU beschäftigt, zahlt mehr. Die Gebühr für einen neuen Arbeitsantrag steigt nach der Rede von 600 auf 800 Euro pro Person. Dazu kommt ein jährlicher Infrastrukturbeitrag von 400 Euro, für neue Anträge wie für Verlängerungen, ausgenommen Minderjährige.

Neue Grenze bei staatlichen Leistungen: EU-Bürger und alle anderen

Ein Abschnitt der Rede stand in keiner Vorschau. Malta hat bisher mehrere Leistungen allen Einwohnern kostenlos angeboten. Nach der Rede gelten ab Januar 2027 diese Einschränkungen:

  • Kostenloser Nahverkehr bleibt nur Maltesern, ansässigen EU-Bürgern und Long-Term Residents.
  • Kostenlose Kinderbetreuung gilt für neue Fälle nur noch für dieselben Gruppen. Wer den Dienst heute schon nutzt, behält ihn, bis das Kind herauswächst.
  • Der staatliche Zuschuss für atypische Arbeitszeiten wird auf dieselben Gruppen beschränkt.
  • Wer mit einem Führerschein von außerhalb der EU nach Malta kommt, darf damit zwölf Monate ab der Einreise fahren. Für Inhaber einer Aufenthaltserlaubnis beginnt die Frist nicht neu, wenn sie aus- und wieder einreisen. Danach braucht es einen maltesischen oder europäischen Führerschein.
  • Auf Führerscheine der Klassen B und B1, die ab dem 1. Januar 2027 ausgestellt oder erneuert werden, kommt eine Verwaltungsgebühr von 83 Euro im Monat. Befreit sind nach der Rede Bürger der EU und des EWR, Long-Term Residents und ihre Ehepartner sowie Bürger Großbritanniens, Australiens und der Vereinigten Arabischen Emirate.

Für Deutsche und Österreicher mit Wohnsitz auf Malta ändert sich dadurch nichts, sie sind ansässige EU-Bürger. Anders sieht es für Schweizer aus. Die Rede nennt sie an keiner Stelle. Sie spricht von EU-Bürgern, beim Führerschein von EU- und EWR-Bürgern, und die Schweiz gehört weder zur EU noch zum EWR. Ein Schweizer Führerschein ist zudem außerhalb der EU ausgestellt. Ob die Umsetzungsregeln Schweizer wegen des Freizügigkeitsabkommens den EU-Bürgern gleichstellen, lässt der Text offen. Wer mit Schweizer Pass nach Malta zieht, sollte genau diese Regeln abwarten und dann lesen.

Und noch ein Punkt, bevor jemand reflexhaft handelt: Der naheliegende Ausweg, den Long-Term-Resident-Status zu beantragen, hat für Non-Doms eine steuerliche Kehrseite. Wer ihn hat, fällt aus der Besteuerung nach der Überweisung heraus und wird auf sein Welteinkommen besteuert. Warum das so ist, haben wir unter Daueraufenthalt und Remittance-Falle erklärt. Eine kostenlose Busfahrt ist dieses Risiko nicht wert.

Familien: die zweite Stufe kommt wie geplant

Die Elternentlastung, die mit dem Budget 2026 begonnen hat, geht wie angekündigt weiter. Caruana hat die Werte für 2027 und 2028 genau so bestätigt, wie sie im Pre-Budget-Dokument vom September standen. Die steuerfreien Beträge:

Tarifsteuerfrei 2026steuerfrei 2027steuerfrei 2028
Verheiratet, 1 Kind17.500 €20.000 €22.500 €
Verheiratet, 2 oder mehr Kinder22.500 €30.000 €37.000 €
Elternteil, 1 Kind14.500 €16.000 €18.000 €
Elternteil, 2 oder mehr Kinder18.500 €24.000 €30.000 €

Über der Nullzone folgen 15 Prozent, dann 25 Prozent und ab 60.000 Euro 35 Prozent. Bei Verheirateten mit zwei oder mehr Kindern endet die Stufe mit 15 Prozent 2027 bei 41.000 Euro und 2028 bei 50.000 Euro. Nach der Rede sparen zwei Eltern mit zwei Kindern und je 42.000 Euro Einkommen ab 2028 rund 10.000 Euro Steuern im Jahr gegenüber dem alten Tarif.

Für zugezogene Familien bleibt eine Bedingung wichtig, die schon heute in Artikel 56 Absatz 1 des Income Tax Act steht: Die Kindertarife setzen voraus, dass mindestens ein Elternteil Bürger eines EU- oder EWR-Staats ist oder den Status eines langfristig Aufenthaltsberechtigten hat. Für andere Paare verlangt das Gesetz, dass das Kind in Malta geboren ist und dort lebt. Auch hier sind Schweizer Familien ohne EU-Pass die Gruppe, die genau prüfen muss.

Neu angekündigt ist außerdem ein Projekt, nach dem Ehepartner künftig grundsätzlich getrennte Steuererklärungen abgeben. Die gemeinsame Erklärung soll als Wahlmöglichkeit bleiben, wo das Gesetz sie erlaubt. Einen Zeitplan nennt die Rede nicht.

Rentner und Angestellte

Die Befreiung für Renten, die seit Januar nach der Legal Notice 53 von 2026 bis 37.104 Euro gilt, soll um 520 Euro auf 37.624 Euro im Jahr steigen. Wie die Befreiung wirkt und für welche Renten sie gilt, steht in unserem Beitrag zur Rentenbefreiung. Der Inflationsausgleich, in Malta COLA genannt, beträgt für 2027 6,41 Euro pro Woche, der gesetzliche Mindestlohn steigt einschließlich dieses Ausgleichs um 10,41 Euro pro Woche.

Wer 2025 in Malta angestellt war, bekommt im ersten Quartal 2027 einen steuerfreien Einmalbetrag. Bei einem Einkommen aus Beschäftigung von mindestens 12.000 Euro sind es 1.000 Euro, darunter gestaffelt bis hinunter zu 500 Euro. Nach der Rede gilt das auch für Selbständige, Teilzeitkräfte und Rentner, die weiterarbeiten.

Wohnen und Vermieten: höhere Ökosteuer, Prüfung beim Luftraum

Wer auf Malta eine Wohnung an Feriengäste vermietet oder Besuch aus der Heimat hat, merkt die Erhöhung der Ökosteuer. Ab dem 1. Januar 2027 zahlen Gäste ab 18 Jahren in Hotels und ähnlichen Unterkünften 8 Euro pro Nacht, höchstens 64 Euro pro Person, in Ferienwohnungen 10 Euro pro Nacht, höchstens 80 Euro. Neu sind 10 Euro für Kreuzfahrtgäste, die in Malta an Land gehen, und 5 Euro für Besucher von Comino. Die Fähre nach Gozo kostet Erwachsene ohne Wohnsitz in Malta künftig 11 Euro statt 4,65 Euro, Autofahrer ohne Wohnsitz zahlen 22 Euro für Wagen und Fahrer.

Wer eine Wohnung im Bau kauft, sollte einen weiteren Punkt kennen. Die Regierung will gegen Geschäfte vorgehen, bei denen der Luftraum über einem Gebäude verkauft wird und die Steuer am Ende nur auf einen Teil des echten Werts einer fertigen Wohnung fällt. Geplant sind mehr Offenlegung des gesamten Kaufpreises, strengere Bewertung und Kontrolle, auch bei Zwischenhändlern, die im Kaufvertrag nicht auftauchen. Die Regeln sollen nach einer Anhörung nur für künftige Geschäfte gelten. Wer Bootsbesitzer ist, zahlt für Boote zwischen 10 und 24 Metern höhere Registergebühren, je nach Länge zwischen 300 und 2.600 Euro zusätzlich im Jahr.

Was das Budget in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht ändert

Ein maltesischer Haushalt regelt nur maltesische Steuern. Für deutsche Gesellschafter einer Malta-Gesellschaft, die in Deutschland wohnen, bleibt eine Rechnung entscheidend, die in Valletta niemand ändern kann: Nach § 8 Absatz 5 des Außensteuergesetzes gilt eine Besteuerung als niedrig, wenn sie unter 15 Prozent liegt, und Erstattungen an den Gesellschafter werden ausdrücklich eingerechnet. Ein 25-Prozent-Satz auf einbehaltene Gewinne macht aus einer Struktur, die am Ende über die Erstattung bei 5 Prozent landet, deshalb keine hoch besteuerte Gesellschaft.

Österreich und die Schweiz haben eigene Regeln für Wegzug und ausländische Gesellschaften, und auch die bleiben vom Budget unberührt. Wer nach Malta zieht oder dort schon lebt, sollte beide Seiten getrennt betrachten: was die Heimat verlangt und was Malta künftig verlangt.

Wie es jetzt weitergeht

Für Deine Planung heißt das konkret:

  1. Non-Dom-Status und Mindeststeuer bleiben, wie sie sind. Hier gibt es keinen Handlungsbedarf durch das Budget.
  2. Die 25 Prozent für kleine Firmen sind ein Rahmen ohne Gesetzestext. Plane damit erst, wenn die Regeln veröffentlicht sind und klar ist, wie spätere Ausschüttungen behandelt werden.
  3. Schweizer Zuzügler sollten die Umsetzungsregeln zu Führerschein, Nahverkehr und Kinderbetreuung abwarten und keinen Statuswechsel beantragen, ohne die steuerlichen Folgen zu kennen.
  4. Familien mit Kindern können mit den Werten für 2027 rechnen, die Rede hat sie unverändert bestätigt. Verbindlich werden sie mit dem Umsetzungsgesetz.

Wenn das Umsetzungsgesetz erscheint, steht dort, was von dieser Rede tatsächlich gilt und ab wann. Bis dahin ist die Rede der beste verfügbare Hinweis, aber kein Gesetz.

Malta ist eine Entscheidung, keine Meldung.

Was eine Nachricht für Deine Struktur bedeutet, klären wir im Beratungsgespräch. Konkret, an Deinen Zahlen.