Non-Dom · Arbeitnehmer
15 % Steuer für hochqualifizierte Arbeitnehmer
Malta bietet bestimmten Fachkräften ein besonderes Steuerregime. Wenn Du in einem begünstigten Bereich arbeitest und die Voraussetzungen erfüllst, kann sich Deine Einkommensteuer deutlich vereinfachen.
Was das HSI-Regime ist, und was es ablöst
Über ein Jahrzehnt lang lockte Malta internationale Führungskräfte mit den „Highly Qualified Persons"-Regeln, zuletzt ergänzt um Sonderregeln für Senior Employees von Family Offices. Beides ist für Neuzugänge Geschichte: Mit den Highly Skilled Individuals Rules (L.N. 20/2026), veröffentlicht im Januar 2026 und rückwirkend ab dem 1. Januar 2026, hat Malta die Regime konsolidiert. Die alten HQP-Regeln und die Family-Office-Regeln von 2025 sind für Neuanträge geschlossen und im HSI-Regime aufgegangen; Bestandsfälle werden übergeleitet. Der Kern bleibt vertraut: 15 % Flat Tax auf das Beschäftigungseinkommen aus einer qualifizierenden Position, statt der normalen Progression, die ab 60.000 Euro bei 35 % liegt.
Neu ist vor allem die Mechanik, und die wird ständig falsch wiedergegeben: Das HSI-Regime ist kein Status, den man einmal erhält und dann besitzt. Die 15 % sind eine Option nach Art. 56(21) des Income Tax Act, die für jedes Steuerjahr neu ausgeübt wird. Wer die Voraussetzungen in einem Jahr verfehlt, etwa weil das Gehalt unter die Schwelle rutscht, fällt für dieses Jahr in die Progression, ohne dass damit alles verloren wäre; wer sie wieder erfüllt, wählt wieder. Planbarkeit entsteht durch die Verlängerungsstruktur, nicht durch einen Verwaltungsakt mit Ewigkeitswert.
Die Eckwerte auf einen Blick
| Merkmal | Regelung |
|---|---|
| Steuersatz | 15 % final auf das Einkommen aus dem qualifizierenden Beschäftigungsverhältnis |
| Gehaltsschwelle | 65.000 € Jahresgehalt, ohne den Wert von Fringe Benefits gerechnet |
| Dynamisierung | Die Schwelle steigt alle fünf Jahre um 10.000 €, ab Basisjahr 2031 also 75.000 € |
| Laufzeit | fünf Jahre ab erstem Nutzungsjahr, zweimal um je fünf Jahre verlängerbar |
| Verlängerungsantrag | spätestens im neunten Monat des letzten Jahres der laufenden Periode |
| Deckel | Einkommen über 7 Mio. € aus der Position ist von der Begünstigung ausgenommen |
| Befristung | Sunset-Klausel: das Regime endet am 31. Dezember 2040 |
Deckel und Sunset stehen im Verordnungstext selbst; die begleitenden Guidelines der Steuerverwaltung vom April 2026 füllen die Verfahrensfragen. Beides zusammen ergibt ein Regime, das bewusst auf Zeit spielt: großzügig für die nächsten Jahre, mit eingebautem Ablaufdatum. Wer heute mit Ende dreißig einsteigt, kann rechnerisch die vollen fünfzehn Jahre ausschöpfen, wer 2035 kommt, plant mit der Restlaufzeit.
Wer hineinkommt: Sektoren und Qualifikation
Das Regime zielt auf Sektoren, in denen Malta um internationale Schlüsselkräfte konkurriert: Finanzdienstleistungen unter MFSA-Aufsicht, Gaming unter der MGA, Luftfahrt, Family Offices samt Back-Office- und Treasury-Funktionen, dazu Positionen in Technologie und in weiteren gelisteten Bereichen bis hin zu spezialisierten Gesundheitsfeldern. Qualifizierend ist eine benannte Führungs- oder Spezialistenposition bei einem lizenzierten oder anerkannten Arbeitgeber, klassisch der CEO, CFO, CTO, Chief Risk Officer oder vergleichbare Rollen mit entsprechendem Vertrag. Die Sektorliste ist gepflegtes Recht, kein Naturgesetz: Sie kann per Schedule erweitert werden, und genau darüber signalisiert Malta, welche Branchen es als Nächstes anziehen will.
Bei der Qualifikation ist Malta pragmatischer geworden: Der klassische Weg läuft über einen einschlägigen Hochschulabschluss plus Berufserfahrung, doch gerade für Tech-Positionen öffnet das Regime auch Kandidaten ohne Abschluss den Zugang, über mehrjährige einschlägige Erfahrung in Verbindung mit Gehaltsanforderungen oder eine Blaue Karte EU. Für die Luftfahrt gilt eine eigene, gestaffelte Einstiegsleiter, die unterhalb der allgemeinen Schwelle beginnt und schrittweise auf sie zuläuft. Ob eine konkrete Position qualifiziert, entscheidet sich am Vertrag, an der Lizenz des Arbeitgebers und an der Rolle, nicht am Titel auf der Visitenkarte.
Was die 15 % umfassen, und was nicht
Die Flat Tax gilt für das Einkommen aus dem qualifizierenden Beschäftigungsverhältnis. Alles andere folgt den normalen Regeln: Mieteinnahmen, Kapitalerträge, Nebentätigkeiten und die gesamte Welt Deiner Auslandseinkünfte laufen über Deinen allgemeinen Steuerstatus, für Zuzügler also typischerweise über die Remittance-Logik des Non-Dom-Status. Genau diese Kombination macht das Regime für Deutsche interessant: 15 % auf das Malta-Gehalt, Non-Dom-Behandlung für das übrige Vermögen, gedeckelte Sozialbeiträge obendrauf. Die Mindestgehaltsschwelle rechnet ohne Fringe Benefits, der Dienstwagen hebt Dich also nicht über die 65.000 Euro, und das Gehalt muss tatsächlich der Position entsprechen, künstliche Konstruktionen scheitern an der Prüfung.
Für Arbeitgeber ist das Regime ein Rekrutierungsargument mit Preisschild null: Die Begünstigung trägt der maltesische Fiskus, nicht die Firma. Wer als Malta-Gesellschaft um internationale Spezialisten wirbt, vom Gaming-Studio bis zum lizenzierten Finanzdienstleister, sollte die HSI-Fähigkeit der Schlüsselpositionen aktiv im Angebot führen.
Family Office: die Sonderrolle im neuen Gewand
Die 2025 eingeführten Family-Office-Regeln waren nur wenige Monate in Kraft, bevor sie im HSI-Regime aufgingen; unser Bericht von damals dokumentiert den Zwischenstand. Inhaltlich hat sich für die Zielgruppe wenig verschlechtert: Family Offices, Back Offices und Treasury-Einheiten stehen ausdrücklich auf der Sektorenliste des neuen Regimes, die Eckwerte entsprechen der alten Logik. Verändert hat sich die Form, ein Regelwerk statt dreier, die jährliche Optionsmechanik statt der Statusillusion, und die einheitliche Befristung bis 2040. Wer eine Family-Office-Struktur mit Schlüsselpersonal nach Malta plant, plant seit 2026 über HSI; die aufsichtsrechtliche Seite des Family-Office-Aufbaus behandelt die Seite zu den MFSA-Lizenzen.
HSI und die deutsche Seite
Für Wegzügler aus Deutschland fügt sich das Regime unauffällig in die Abkommenslage: Dein Malta-Gehalt für in Malta ausgeübte Arbeit gehört nach Art. 15 des DBA Malta, dass Malta darauf per Option 15 % statt Progression erhebt, ist deutscherseits ohne Belang, solange Du dort nicht mehr ansässig bist. Aufpassen muss, wer Übergangsjahre mit Restanknüpfung in Deutschland fährt oder regelmäßig deutsche Arbeitstage einstreut, dann gilt die Aufteilungsmechanik der Seite zum Malta-Arbeitsvertrag mit Wohnsitz in Deutschland, und die 15 % greifen nur auf den Malta-Anteil.
Die Fristen-Disziplin: dreimal Kalender führen
Das Regime belohnt Organisierte. Erstens die jährliche Option: Sie wird im Veranlagungsverfahren ausgeübt, Jahr für Jahr, und gehört als fester Punkt in die Steuererklärungs-Routine. Zweitens die Periodenrechnung: Fünf Jahre ab Erstnutzung, Verlängerung um fünf plus fünf, und der Verlängerungsantrag muss spätestens im neunten Monat des letzten Jahres der laufenden Periode gestellt sein, wer den September verschläft, verliert die Anschlussperiode. Drittens die Schwellen-Zukunft: Ab 2031 liegt die Latte bei 75.000 Euro, Gehaltsentwicklungen unterhalb der Dynamisierung wachsen also aus dem Regime heraus. Alle drei Fristen sind banal, solange jemand sie führt, und teuer, sobald niemand es tut.
Die Rechnung an einem Beispiel
Eine Compliance-Direktorin wechselt mit 120.000 Euro Jahresgehalt zu einem lizenzierten Gaming-Anbieter nach Malta. In der normalen Progression läge ihre Einkommensteuer je nach Veranlagung grob bei 35.000 Euro, denn oberhalb von 60.000 Euro greift der Spitzensatz von 35 %. Mit HSI-Option zahlt sie flach 15 %, also 18.000 Euro, dazu die gedeckelten Sozialbeiträge von rund 2.900 Euro. Ersparnis gegenüber der Progression: um die 17.000 Euro im Jahr, jedes Jahr der Periode. Gegenüber ihrer deutschen Vergleichsrechnung, in der auf dasselbe Gehalt Spitzensteuersatz, Soli-Rest und ungedeckelte Sozialabgaben liefen, ist der Abstand noch einmal deutlich größer. Der Preis: Die Position muss real qualifizieren, die Option will jedes Jahr ausgeübt werden, und ihre übrigen Einkünfte laufen sauber getrennt über den Non-Dom-Status.
Bestandsfälle: von HQP und Family-Office-Regeln ins neue Regime
Wer schon unter den HQP-Regeln oder den Family-Office-Regeln von 2025 begünstigt war, wird nicht kalt gestellt: Die Guidelines regeln die Überleitung der laufenden Fälle in die neue Systematik, angebrochene Perioden werden angerechnet statt neu gestartet. Zwei Dinge sollten Bestandsfälle trotzdem aktiv prüfen. Erstens die Periodenarithmetik: Wo im alten Regime Restjahre liegen, bestimmt die Überleitung, wie viele HSI-Jahre bleiben, und damit auch, wann der Verlängerungsantrag fällig wird. Zweitens die Formulierungen in Arbeitsverträgen und Steuerunterlagen: Verweise auf die alten Legal Notices laufen ins Leere, Neuverträge gehören auf L.N. 20/2026 umgestellt. Ein formeller Aufhebungsakt für die alten Family-Office-Regeln ist im Verordnungstext übrigens nicht ausgesprochen, geregelt ist der Übergang; praktisch sind die alten Wege für Neuanträge zu, und genau so behandeln wir sie in der Beratung.
Einordnung: für wen sich HSI wirklich lohnt
Das HSI-Regime ist kein Auswanderungsgrund, aber ein starker Verstärker. Der Spezialist mit 150.000-Euro-Vertrag spart gegenüber der Progression fünfstellig pro Jahr, solange Position und Option stehen. Der Gründer, der sich aus der eigenen Ltd bezahlt, rechnet dagegen zuerst die Gehalt-oder-Dividende-Mechanik, bevor er sein Gehalt künstlich auf HSI-Niveau hebt, denn 15 % auf ein überhöhtes Gehalt können teurer sein als die Strukturroute für denselben Euro. Und wer gar kein Malta-Gehalt braucht, lebt mit dem gewöhnlichen Non-Dom-Setup meist besser. Wie immer gilt die Hausregel: Erst der Fall, dann das Regime.
Häufige Fragen
Kurz beantwortet
Gilt das HSI-Regime auch für das Gehalt aus meiner eigenen Ltd?
Grundsätzlich zählt die Position, nicht die Eigentümerschaft: Auch der Gründer-CEO eines lizenzierten Unternehmens kann qualifizieren, wenn Rolle, Vertrag und Gehalt real sind. Ob sich das rechnet, ist eine andere Frage, denn jeder Gehalts-Euro kostet die Firma Abzugsfähigkeit und Dich 15 %, während die Strukturroute über Dividende und Erstattung anders rechnet. Das gehört durchkalkuliert, nicht angenommen.
Was passiert, wenn mein Gehalt in einem Jahr unter 65.000 Euro fällt?
Dann greift die Option für dieses Jahr nicht und Dein Gehalt läuft in der normalen Progression. Das Regime kennt keine Bestrafung, aber auch keine Kulanz: Die Schwelle gilt je Steuerjahr, und ab 2031 liegt sie bei 75.000 Euro. Gehaltsverhandlungen sollten die Dynamisierung deshalb gleich mitdenken.
Bleibt der Rest meines Einkommens vom HSI-Regime unberührt?
Ja. Die 15 % decken nur das qualifizierende Beschäftigungseinkommen. Kapitalerträge, Vermietung und Auslandseinkünfte folgen Deinem allgemeinen Status, beim Zuzügler also der Remittance-Logik samt Mindeststeuer-Mechanik. Die zwei Welten sauber zu trennen ist der halbe Wert des Setups.
Lohnt der Umzug wegen HSI allein?
Selten. Das Regime verstärkt einen Malta-Plan, der auch ohne es trüge: Lebensmittelpunkt, Position, Non-Dom-Architektur. Wer nur für 15 % umzieht und alles andere provisorisch lässt, kauft sich Fristen und Pflichten ohne das Fundament, das den Vorteil sichert.
15 % sind ein Angebot mit Bedingungen. Wir prüfen, ob Deine Position sie erfüllt.
Im Beratungsgespräch klären wir Sektor, Vertrag und Gehaltsarchitektur, und ob HSI, Non-Dom-Standard oder die Strukturroute Dein Netto am weitesten bringt.