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Freispruch im Fall Caruana Galizia: Wie sicher sind Deine Firma und Dein Geld auf Malta?

Torbogen in einer engen Kalksteingasse auf Malta, dahinter eine barocke Kirchenkuppel

Am 2. September 2026 hat eine Jury in Malta den Geschäftsmann Yorgen Fenech von den Vorwürfen im Mordfall Daphne Caruana Galizia freigesprochen. In unserem Video vom 18. September ordnet Sebastian das Urteil ein, das die Geschworenen mit acht zu eins Stimmen gefällt haben, und stellt danach die Frage, die jeden betrifft, der auf Malta eine Firma, einen Wohnsitz oder ein Konto hat: Wie verlässlich ist der Rechtsstaat dort, wenn es um Deine eigenen Angelegenheiten geht?

Die Antwort hat drei Teile. Was das maltesische Strafgesetzbuch zu einem Freispruch sagt. Was die Europäische Kommission über Maltas Gerichte misst. Und welche Regel Dein Geld auf der Insel am besten schützt.

Was feststeht

Daphne Caruana Galizia wurde 2017 ermordet. Sie hatte über Jahre über Korruption und politische Verflechtungen auf Malta geschrieben, vor allem in ihrem Blog. Nach dem Rechtsstaatsbericht 2026 der Europäischen Kommission wurden in den Jahren 2021, 2022 und 2025 fünf Personen verurteilt, die den Mord ausgeführt haben. Der Geschworenenprozess gegen den Mann, dem die Anklage vorwarf, den Mord in Auftrag gegeben zu haben, begann im Juli 2026. Bis zum Bericht vom 17. Juli 2026 gab es nach den Worten der Kommission keine Verurteilung des mutmaßlichen Auftraggebers.

Der Prozess endete am 2. September mit dem Freispruch. Für die Familie der Journalistin ist das erschütternd, denn die Frage, wer den Mord in Auftrag gegeben hat, bleibt vor Gericht unbeantwortet.

Was das Gesetz zu einem Freispruch sagt

Im Video spricht Sebastian den Grundsatz an, dass in Malta niemand zweimal wegen derselben Tat angeklagt werden darf. So steht es im Strafgesetzbuch: Nach Artikel 527 ist es nach einem Freispruch nicht zulässig, denselben Menschen wegen derselben Tat erneut vor Gericht zu stellen.

Dasselbe Gesetz kennt daneben einen eng begrenzten Weg, den ersten Prozess überprüfen zu lassen. Nach Artikel 500 kann die Generalstaatsanwaltschaft gegen einen Freispruch Berufung beim Court of Criminal Appeal einlegen, nach Artikel 504 innerhalb von 15 Arbeitstagen. Stattgeben muss das Berufungsgericht, wenn das Verfahren an einer schweren Unregelmäßigkeit litt oder das Urteil erkennbar auf einer offensichtlich falschen Anwendung des Rechts beruht, die das Ergebnis beeinflusst haben kann. Auch dann darf es die Berufung abweisen, wenn es keinen tatsächlichen Justizirrtum sieht. Über die Berufung entscheidet es, indem es den Spruch bestätigt, ändert oder aufhebt. Hält es das für gerechter, gibt es den Fall zur neuen Verhandlung an das Strafgericht zurück.

Was die EU-Kommission über Maltas Gerichte misst

Für Deine Planung zählt weniger ein einzelnes Strafurteil als die Frage, wie Maltas Gerichte im Alltag arbeiten. Dazu hat die Kommission am 17. Juli 2026, also vor dem Urteil, ihr Länderkapitel zu Malta veröffentlicht. Die wichtigsten Zahlen:

Messgröße20262025
Unternehmen, die die Unabhängigkeit der Gerichte als gut oder sehr gut einschätzen65 %63 %
Bevölkerung, die das ebenso sieht47 %69 %
Unternehmen, die darauf vertrauen, dass Gesetz und Gerichte ihre Investitionen schützen68 %77 %

Die Unternehmen urteilen also deutlich besser als die Bevölkerung, und ihr Blick auf die Unabhängigkeit der Gerichte ist sogar leicht gestiegen. Mehr als zwei Drittel vertrauen darauf, dass ihre Investitionen rechtlich geschützt sind, auch wenn dieser Wert gegenüber dem Vorjahr gesunken ist.

Die echte Schwachstelle ist die Geschwindigkeit. Ein Zivil- oder Handelsverfahren in erster Instanz dauerte 2024 im Schnitt 491 Tage, der viertlängste Wert in der EU. Die Regierung meldet für 2025 deutlich kürzere Verfahren mit 335 Tagen. Dazu kommt die Wahrnehmung von Korruption: 69 Prozent der Unternehmen halten sie für verbreitet, im EU-Schnitt sind es 65 Prozent, und 41 Prozent sehen darin ein Problem für ihre Geschäfte, im EU-Schnitt 37 Prozent.

Wie wir Malta im Alltag erleben

Seit 2011 begleiten wir Mandanten auf Malta vor Ort, von der Firmengründung bis zum Umzug. Sebastian beschreibt im Video zwei Seiten. Die eine: Die Malteser halten zusammen. Das hat Geschichte, von den Johannitern über die Briten bis zu den Zuzüglern von heute haben die Einheimischen immer davon gelebt, wohlhabenden Fremden die Insel zu erschließen. Wer nach Malta zieht, sollte das wissen und respektieren.

Die andere Seite: Die Behörden arbeiten verbindlich und gründlich. Fristen werden ernst genommen, Firmen werden genau beaufsichtigt, und manches dauert, weil die Behörden klein sind. Mandanten, die auf Malta in einen größeren Rechtsstreit geraten sind, kennen wir praktisch nicht. Für internationales Geschäft sieht Sebastian Malta bei Verwaltung und Verbindlichkeit auf dem Niveau der anderen EU-Staaten.

Die Regel, die Dein Geld schützt: nicht vom lokalen Markt abhängig sein

Ein Grund für diese Erfahrung liegt im Geschäftsmodell. Die meisten unserer Mandanten machen kaum Geschäfte mit Maltesern. Sie gründen eine Gesellschaft auf Malta, deren Kunden im Ausland sitzen, und kommen mit der lokalen Geschäftswelt wenig in Berührung. Daraus folgt der Rat im Video: Mach Dich als Ausländer nicht von der lokalen Wirtschaft abhängig. Ein Restaurant, ein Hotel oder eine Tauchschule heißt, in Branchen anzutreten, die fest in lokaler Hand sind. Eine Softwarefirma mit internationalen Kunden, eine App für den Weltmarkt oder ein Online-Glücksspielanbieter sind etwas ganz anderes.

Wer international verkauft, kann außerdem selbst festlegen, wo ein Streit landet. Das EU-Recht gibt Dir dafür zwei Werkzeuge:

Zwei Grenzen gehören dazu. Gegenüber Verbrauchern, Arbeitnehmern und Versicherten gelten Schutzregeln, die eine solche Vereinbarung einschränken. Und bei Immobilien hilft keine Klausel: Für Streit über das Eigentum an einer Wohnung oder einem Haus und, von kurzen privaten Mieten abgesehen, über deren Miete sind nach Artikel 24 der Brüssel-Ia-Verordnung die Gerichte des Landes ausschließlich zuständig, in dem die Immobilie liegt. Wer auf Malta kauft oder mietet, landet im Streitfall also vor einem maltesischen Gericht. Genau dieses Beispiel nennt Sebastian im Video, und genau hier lohnt sich die saubere Prüfung vor der Unterschrift.

Für Geschäftsverträge gibt es noch einen dritten Weg. Das maltesische Schiedsgesetz hat das Malta Arbitration Centre für nationale und internationale Handelsschiedsverfahren geschaffen. Eine Schiedsklausel kann einen Streit aus dem Gerichtsalltag herausholen.

Was das Urteil für Deine Steuerstruktur heißt

Nichts. Der Non-Dom-Status und das Erstattungssystem der Körperschaftsteuer stehen im Gesetz, nicht in einem Strafurteil. Wer in Malta lebt, aber nicht dort domiziliert ist, versteuert nach dem Income Tax Act ausländische Einkünfte nur, soweit er sie nach Malta holt. Wie Du das sauber trennst, steht unter Remittance-Planung, und wie aus 35 Prozent am Ende rund 5 Prozent werden, unter 5 Prozent Steuern in Malta.

Was bleibt

Das Urteil ist menschlich schwer zu ertragen, und der Familie der Ermordeten kann man nur wünschen, dass der Fall eines Tages einen Abschluss findet. Ein Grund, Malta als Standort abzuschreiben, ist es nicht. Für Deine Planung heißt das konkret:

  1. Baue Dein Geschäft auf internationale Kunden, nicht auf den lokalen Markt.
  2. Lege in Deinen Verträgen Recht und Gericht fest, wo das EU-Recht es erlaubt, oder vereinbare ein Schiedsverfahren.
  3. Prüfe jede Immobilie vor der Unterschrift besonders gründlich, denn hier entscheiden maltesische Gerichte, und die brauchen Zeit.

Malta bleibt aus unserer Sicht das steuerlich interessanteste Land der EU. Wenn Du Dir die Insel selbst ansehen willst, komm zu unserem Seminar Auswandern nach Malta in St. Julian's.

Malta ist eine Entscheidung, keine Meldung.

Was eine Nachricht für Deine Struktur bedeutet, klären wir im Beratungsgespräch. Konkret, an Deinen Zahlen.